ARD-Chef fordert Erhöhung der Rundfunkgebühren ab 2021

Von EUGEN PRINZ | In einem Interview mit der Deutschen Presseagentur hat der neue ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm Einschnitte im Programm angekündigt, falls der Rundfunkbeitrag nicht erhöht wird:

„Es fehlen kurzfristig drei Milliarden Euro, die wir im Wesentlichen im Programm einsparen müssten. Jenseits des Programms, also bei Technik und Verwaltung, zu sparen, ist schon weitgehend ausgereizt, denn das tun wir seit Jahren.“

Die GEZ–Sender, ihres Zeichens Volkserzieher im Regierungsauftrag, wollen also mehr Kohle, weil nicht nur Immobilien und Lebensmittel immer teurer werden, sondern auch die Gehirnwäsche. Um aus den unwilligen Zwangsgebührenzahlern noch einige zusätzliche Euronen herauszuquetschen, wird das maximale Horrorszenarium aufgebaut: Einschnitte im Programm. Ja, liebe Zuschauer, Sie müssen jetzt sehr tapfer sein. Schauen wir uns also mal an, auf was wir möglicherweise künftig verzichten müssen:

„Zwei gegen einen ist feige“, hieß es früher, als Deutschland noch Deutschland war. Das war vor dem Endsieg der 68er Bewegung, als die Nägel kauende Totengräberin unseres Landes noch hinter der Mauer sicher verräumt war.

Und jetzt?  Wenn bei Talkshows à la „Maischberger“ oder „Hart aber Fair“ überhaupt ein Vertreter der AfD eingeladen wird, sorgt man dafür, dass er einer Phalanx von Gästen des gegnerischen Lagers gegenübersitzt, die über ihn herfallen wie ein Rudel hungriger Hyänen. Den Startschuss dazu gibt der Moderator, nicht ohne dem AfDler vorher noch nach einem saudummen Einspieler eine noch saudümmere, provokante Frage zu stellen. Sollte man also bei den Talkshows mit den „Einschnitten im Programm“ anfangen, werden sicherlich nicht alle Gebührenzahler von Weinkrämpfen geschüttelt zusammenbrechen. Viele tun sich diese Sendungen jetzt schon nicht mehr an, weil es ihnen der Arzt aufgrund des Auftretens von malignen hypertonen Episoden beim Zuschauen ausdrücklich verboten hat. Für Nichtmediziner: die Skala vom Blutdruckmessgerät reicht oft nicht mehr.

Kommen wir zu den Nachrichten. Hier ist es ähnlich: Die Berichterstattung über die AfD, Pegida, Donald Trump, den Brexit oder die Flüchtlingspolitik der Visegrad Staaten, um nur einige Beispiele zu nennen, hat längst die Grenze von der Information zum regierungskonformen Kommentar überschritten. Gut, man muss sich Talkshows und Nachrichten nicht anschauen, niemand wird dazu gezwungen. Vielleicht stattdessen spannende Unterhaltung, die nichts mit Politik zu tun hat? Die Sendung „Tatort“ zum Beispiel:

Ein Molotowcocktail fliegt in einen Friseursalon, dabei stirbt die Auszubildende. Mit Farbe hat jemand „Kill All Nazis“ vor den Tatort gesprüht. So geht er los, der Frankfurter „Tatort“ „Land in dieser Zeit“.  Die Kollegin der Toten beschuldigt einen jungen Flüchtling, der in der Gegend Drogen verkauft. In ihrer Freizeit tanzt sie in einem bei Neonazis beliebten Club und singt deutsches „Liedgut“ in einem Chor. Dort singen auch ihre zwei Freundinnen, beide beim Verfassungsschutz bekannt als Mitglieder der „Kongruenten“ – einer an die neurechten „Identitären“ angelehnten Gruppierung. Am Ende stellt sich heraus: Das Feuer hat das rechte Trio gelegt. Die Frauen wollten damit gezielt eine in ihren Augen nicht nach Deutschland gehörende Person diskreditieren. Währenddessen sind einige Flüchtlinge vorübergehend bei einem der Kommissare einquartiert – in ihrer Sammelunterkunft gab es einen Wasserschaden. Eine junge Frau aus dieser Gruppe wird nachts von drei Männern angegriffen und brutal zusammengeschlagen. Und dann rückt auch noch die Polizei im Haus des Kommissars an, um einen der Flüchtlinge abzuführen – er habe eine falsche Identität benutzt, sei Afghane und nicht Syrer, lautet die Begründung der Beamten. Ob Afghanistan etwa ein sicheres Land sei, will die verzweifelte Hausherrin wissen. „Das habe ich nicht zu entscheiden“, lautet die bürokratische Antwort des Polizisten.

Oder wie wäre es mit diesem „Tatort“ über die AfD:

Die AfD ist im „Tatort“ angekommen: Punkrocker Falke geht in den Clinch mit einer Rechtspopulistin.

Gehirnwäsche auch schon beim Tatort für die Krimifans? Ohne mich. Schnell umschalten zu „Dahoam is Dahoam„:

Charlie macht Bekanntschaft mit dem jungen Flüchtling Amir aus Afghanistan. Sie möchte ihm helfen, denn er hat Angst, abgeschoben zu werden.

Allmählich komme ich mir vor, wie der von der Meute gehetzte Fuchs bei einer Treibjagd. Gibt es denn kein Entkommen? Ich will ja nur eine simple, unpolitische Unterhaltungssendung zur Entspannung! Ist denn das zu viel verlangt?  OK, dann eben weiter zu „Verstehen Sie Spaß“? Zwischen zwei Clips lässt Moderator Guido Cantz eine abfällige Bemerkung über die AfD fallen. Vielen Dank, genau das habe ich jetzt gebraucht. Versuchen wir es mit Kabarett. Leider wieder Fehlanzeige, denn der Humor von Nuhr und Konsorten, beziehungsweise das, was sie für Humor halten, beschränkt sich mittlerweile fast ausschließlich auf dümmliche Attacken gegen die AfD und deren Repräsentanten, sowie Trump und die Pegida. Die handverlesenen Zuschauer im Studio klatschen Beifall wie die Duracell Äffchen aus der Werbung. Mit wunden Händen, denn sie kommen gerade aus dem Nachbarstudio von der Talkshow mit Anne Wellensittich (Minute 4:45) oder dem Lanzen-Max.

Also gut, letzte Rettung Fernsehspiel. Seit einigen Jahren ist die Handlung ist immer die gleiche: Migranten treffen auf ausländerskeptische Deutsche oder umgekehrt, am Anfang gibt es Spannungen und am Ende ist alles Friede, Freude, Eierkuchen. Wir haben uns alle lieb. Der umgekehrte Fall, der mit Sicherheit eher der Realität entspricht, wird komischerweise nie thematisiert. Also liebe Fernsehbosse: Macht mal was über eine Wohnanlage, aus der nach und nach alle deutschen Altmieter ausziehen, weil sie Migranten als Nachbarn bekommen haben und mit deren Wohnkultur nicht zurechtkommen.

Jedenfalls habe ich jetzt vom Fernsehen genug. Der Apparat wird aus- und das Radio eingeschaltet. Es läuft die Talk-Sendung „Mensch Otto“ in Bayern 3. Der Moderator bearbeitet gerade seinen Studiogast, bis er von ihm endlich ein zufriedenstellendes Statement gegen Pegida, die AfD (inklusive deren Vertreter) und/oder Trump herausgekitzelt hat.

Nein, ich gebe jetzt nicht auf. Noch ein allerletzter Versuch. Lasst mich mal überlegen… Wo wird man mit Sicherheit darauf verzichten, mein Denken medial zu betreuen? Richtig! Bei einer Sendung über Computer, Internet und dergleichen. Das Netzmagazin im Bayerischen Rundfunk bietet sich an:

Das Internet besteht aus mehr als Katzenvideos. Die größten Netz-Hypes, die härtesten Hacker-Angriffe, neue Apps und soziale Netzwerke – mit dem Netzmagazin verpassen Sie nichts, was im Netz gerade heiß diskutiert wird. Das Wichtigste der Woche im Web – präsentiert von den Netzexperten von PULS, dem jungen Programm des BR.

Super, das hört sich gut an! Doch Anna Bühler und Schlien Schürmann müssen ebenfalls das Lied desjenigen singen, dessen Brot sie essen. Ich bekomme AfD-, Trump- und Pegida-bashing statt Informationen über Bitcoins, Cloud Computing und Malware.

Ich komme zu der erschütternden Einsicht, dass es unmöglich geworden ist, als Konsument der GEZ – Sender deren Indoktrination zu entkommen. Deshalb greife ich jetzt zum äußersten Mittel: Ich öffne das Päckchen, das eigentlich für immer hätte verschlossen bleiben sollen. Denn wenn ich es öffne, ist das ein endgültiger Abschied von einer Freundschaft, die fast 55 Jahre gedauert hat. Jetzt halte ich es in der Hand, das Äquivalent zum roten Knopf im Atomkoffer von Donald Trump. Ich drehe das Fernsehgerät herum, suche hinten nach der passenden Buchse. Hier ist sie. Dann stecke ich das kleine, unscheinbare Ding, den Blockbuster im Arsenal gegen die GEZ – Programme, in das Gerät. In meiner vor Aufregung feuchtgeschwitzten Hand der Auslöser. Er fühlt sich schlank und geschmeidig an. In der Mitte ist ein breiter Knopf. Ich drücke ihn mit einem sardonischen Lächeln auf den Lippen. Das Gesicht von Christian Ehring, Sie wissen schon, der mit dem eintätowierten dümmlichen Grinsen, verschwindet samt seiner Sendung extra3 vom Bildschirm und macht dicken Lettern Platz:

NETFLIX

Seit mehreren Wochen bin ich viel entspannter. Unerträgliche wie Til Schweiger, Joko Winterscheidt, Klaas Heufer-Umlauf und Co. sind Geschichte. Meine Kontakte zu den GEZ – Sendern beschränken sich nun auf deren Mahnungen, die ich bekomme, weil ich die Beiträge nicht bezahle. Gegen alles und jedes was sie mir schicken, wird Einspruch erhoben, ohne dass ich es überhaupt richtig lese. Gibt ja vorgefertigte Textbausteine dafür wie Sand am Meer. Ja, auch ich kann Textbaustein und Worthülse. Vielleicht sind Leute wie ich der Grund dafür, dass die notleidenden Hofberichterstatter Merkels mehr Geld bräuchten. 4,56 Millionen Beitragszahler im Mahnverfahren, da lässt halt der Verwaltungsaufwand nicht aus. Das kostet und das ist gut so. So, und jetzt entspanne ich mich ganz unpolitisch bei der neuen Folge  „Suits“ auf Netflix, garantiert Gehirnwäschefrei. Und nein, ich bekomme von Netflix kein Geld und HALLEMAX leider auch nicht.

 

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